Vertreterversammlung der Tierseuchenkasse

BHV1-Bekämpfung nähert sich dem Ende

Die Frühjahrsvertreterversammlung der Tierseuchenkasse tagte unter der Leitung ihres Vorsitzenden Heribert Metternich und stellvertretenden Vorsitzenden Uwe Bißbort in Bad Kreuznach. Der Geschäftsbericht für das Jahr 2015 nahm traditionell einen großen Raum ein. Kosten für Tierkörperbeseitigung und Untersuchungen auf BHV1 und BVD bei Rindern im Landesuntersuchungsamt machten mit zusammen fast zwei Millionen Euro wieder die bei weitem höchste Ausgabe 2015 aus. Das Vermögen besonders der Kasse für Ziegen ist weiter rückläufig, weshalb schon der Beitrag erhöht werde musste.

 

Für das Jahr 2016 werden ab sofort alle Beihilfeleistungen für Ziegen, das sind vor allem alle bisher bezuschussten Laboruntersuchungen am Landesuntersuchungsamt, eingestellt, da andernfalls die Rücklagen der Ziegenkasse völlig aufgezehrt würden, was nach der Tierseuchenkassensatzung nicht statthaft ist. Pferde-, Schaf- und Schweinekasse sind derzeit in guter Verfassung und weisen Rücklagen über den gesetzlichen Vorgaben auf, während aus der Rinderkasse trotz geringer Entschädigungen in den vergangenen Jahren so viele Leistungen zu erbringen waren, dass eine Beitragserhöhung in naher Zukunft nicht auszuschließen ist.  Die Bienenkasse hingegen ist durch Entschädigungszahlungen für Amerikanische Faulbrut dermaßen beansprucht, dass die Wiederaufnahme der Beitragszahlung bevorsteht.

 

Der insgesamt leicht positive Jahresabschluss für das Jahr 2015 führte zur einstimmigen Entlastung des Vorsitzenden und der Geschäftsführung.

 

Der Rinder- und Schweinegesundheitsdienst am Landesuntersuchungsamt, die gemeinsam vom Land Rheinland-Pfalz, der Tierseuchenkasse und den Nutzern finanziert werden, gaben ihren Tätigkeitsbericht für 2015 ab. Die Tierärztinnen und Tierärzte befassten sich bei den Rindern schwerpunktmäßig mit BHV1, BVD, Paratuberkulose, Eutergesundheitsproblemen und Jungtierkrankheiten, bei den Schweinen mit PRRS, Circovirenproblematik, den neu auftretenden PED-Coronaviren, die in der Vertreterversammlung auf großes Interesse stießen, und mit zahlreichen weiteren Bestandsproblemen wie natürlich auch der aktuellen Tierschutzproblematik, die im Zusammenhang mit Schwanzbeißen u.ä. diskutiert wird.

 

Aus dem Bericht des Fachzentrums Bienen und Imkerei wurde deutlich, dass der Winter 2015/2016 nur einen relativ geringen Verlust an Bienenvölkern gebracht hat, was die Spezialisten auf das 2015 spät einsetzende Frühjahr mit dem dadurch bedingten späten Auftreten der Varroa-Milbenproblematik erklären. Die Varroatose ist weiter hauptverantwortlich für Völkerverluste, während der kleine Beutenkäfer nach wie vor aus Italien zu uns vorzudringen droht. Die Gefährdung der Bienen durch die Amerikanische Faulbrut wird für 2016 gering eingeschätzt, was der Tierseuchenkasse für Bienen Entlastung bringen könnte.

 

Keine Vertreterversammlung der Tierseuchenkasse in den zurück liegenden Jahren ging ohne das Schwerpunktthema Tierkörperbeseitigung (TKB) über die Bühne. Seit dem 1. Januar dieses Jahres wird die TKB durch die Privatfirma SecAnim aus Lünen betrieben. Dieses Unternehmen der Rethmann-Saria-Gruppe ist jetzt Eigentümer der Betreibergesellschaft Tierkörperbeseitigung in Rivenich. Leider ist immer noch keine Entgeltliste für die TKB genehmigt, so dass die Kosten für die Schuldner Tierseuchenkasse, das Land Rheinland-Pfalz, die Kommunen, die Landwirte und auch die Schlachtbetriebe weiter nicht klar sind. Die nur noch mäßige Auslastung der TKB-Anlage Rivenich macht aber trotz massiven Personalabbaus keine Hoffnung auf eine Entwicklung der Entgelte in die günstigen Bereiche anderer Bundesländer, sondern lässt eher Kostensteigerungen und weitere Probleme für die Zukunft befürchten.

 

Die BHV1-Bekämpfung in Rheinland-Pfalz hat das Ziel erreicht. Die letzten BHV1-positiven Tiere haben die Bestände verlassen, und bald wird in Brüssel über die Anerkennung als BHV1-freies Bundesland entschieden. Die Vertreterversammlung billigte noch einmal eine letzte Anstrengung zur Bewältigung des Problems  zusammen mit dem Land Rheinland-Pfalz.  Jahrzehnte der BHV1-Sanierung werden damit zu einem Abschluss gebracht, und nun gilt es schon die Strategie für leider nicht auszuschließende BHV1-Neuausbrüche ins Auge zu fassen. Ob Bestandsräumungen, die die Tierseuchenkasse sehr viel Geld kosten  würden, das zukünftige Mittel der BHV1-Bekämpfung sein werden, wird dann im Einzelfall zu entscheiden sein. Doch zunächst überwiegt auch bei den Vertretern der Tierseuchenkasse die Erleichterung darüber, dass die scheinbar endlose Geschichte BHV1-Bekämpfung nun doch dem Ende nahe ist.

 

Die Vertreterversammlung ging in dem Bewusstsein auseinander, dass mit der Durchführung  weiterer schon existenter Tierseuchenprogramme wie der BVD-Bekämpfung und mit dem leider auch nicht auszuschließenden Neuauftreten von Tierseuchen weiter ausreichend Arbeit für die Tierseuchenkasse bleibt.